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Allgemeines zur Mühlengeschichte

M

it der Geschichte von Wasser- und Windmühlen haben sich Historiker, Wissenschaftler, Heimatforscher und Vereine schon lange in Deutschland,  Brandenburg und in unserer Region befasst. Im Rahmen ihrer Projektarbeit beschäftigen sich die Heimatfreunde und das Museumsteam der Heimatstube in Rehfelde ebenfalls mit diesem Thema,  weil durch das Gemeindegebiet das Zinndorfer Mühlenfließ fließt und sich an diesem Gewässer ehemals Wassermühlenstandorte befanden. Es liegt also nahe, zu diesem Thema Recherchen vorzunehmen und vorhandenes Material zu beschaffen, es zu bearbeiten und in geeigneter Form zu veröffentlichen.

 

In der noch gut erhaltenen Wassermühle des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters von Boitzenburg wurde folgende Abhandlung über die Geschichte der Wassermühlen gefunden und aufgeschrieben:

Seit der Jungsteinzeit, ca. 4000 v.d. Zw., als die Menschen anfingen Getreide anzubauen, gibt es Mühlen. Trogmühlen waren die frühesten, sie bestanden aus einem mit der Zeit ausgehölten Stein, auf dem mit einem Reibestein das Getreide geschrotet wurde. Diese wurden im frühen Mittelalter, während  der Slawenzeit, durch die Handmühle abgelöst. Man drehte nun den Läuferstein in einem eingetieften Unterstein mit der Hand. Jeder Haushalt besaß eine Mühle und sie galt bereits in den ältesten Gesetzen als unpfändbar.

Wassermühlen sind  eine Erfindung der Römer. Sie wurden aus den Flußschöpfrädern entwickelt, die in der Antike in Ägypten und Syrien gebräuchlich waren. Der römische Ingenieur und Kriegsbaumeister Vitruv schreibt im Jahre 20 vd.Zw.:

„Genau so wie die Flußschöpfräder werden die Wassermühlen angetrieben, bei denen alles genau so ist, nur dass am Ende der Wasserradwelle ein senkrecht gestelltes Kammrad angebracht ist. Das dreht sich zugleich mit dem Schaufelrad in derselben Richtung. In das Kammrad eingreifend ist ein Stockgetriebe auf einer stehenden Welle angebracht, die am oberen Ende  eine eiserne Haube hat, die in den Läuferstein eingelassen ist. So bewirken die Zähne des Kammrades dadurch, dass sie in die Stöcke des Stockgetriebes eingreifen, die Umdrehung des Mühlensteines. Der über dieser Maschine hängende Trichter führte den Mühlsteinen ständig Getreide zu und durch dieselbe Umdrehung wird das Mehl gemahlen.“

 

Mittelalterliche Wassermühle

Mittelalterliche Wassermühle mit unterschlächtigem Antrieb und Mahlgang.

Aus der Bilderhandschrift "Hortus delicorum" der Abtissin Herrad v. Landsberg 1170

 

Die Römischen Wasserräder waren unterschlächtig, das heißt, das Wasser schlug von unten an das Mühlrad. Dieses, nur an stärker fließenden Gewässern gut funktionierende System wurde im Mittelalter meist von den in Deutschland entwickelten oberschlächtigen Wasserrädern ersetzt, bei welchen das Wasser im oberen Drittel des Rades anschlägt.  

Das Mahlwerk einer Mühle hat zwei Arbeitsgänge, das Schroten des Getreides zwischen zwei Mühlsteinen und das Sichten zwischen Mehl und Kleie, welches im Beutelwerk geschieht. Wassermühlen gehören zu den ältesten und wichtigsten Landeskulturen, nur Bergwerke hatten ihnen gegenüber Vorrang. Nach altem deutschem Recht durfte jeder „ohne des anderen Schaden“ auf seinem Grund und Boden eine Mühle bauen, nur auf großen Flüssen war der Mühlenbau Königrecht (Mühlenregal).

Eine Mühle war jedoch im Mittelalter eine so aufwendige und kostspielige Investition, dass sich nur Städte, Feudalherren und Klöster eine solche Einrichtung leisten konnten. Sie wurden unterschiedlich bewirtschaftet, durch „Mühlenknechte“ der Besitzer und durch Pächter. Es gab jedoch östlich der Elbe-Saalelinie kleinere Wassermühlen, die in Privatbesitz waren, die sogenannten Erdmühlen. Diese mussten den Feudalherren lediglich einen kleinen Zins zahlen. Da die Mühlen mehr als für den Eigenbedarf produzierten, wurde von jeher Lohnmüllerei betrieben. Damit sie ausgelastet wurden, gab es den „Mühlenbann“, d.h. außer den bestehenden Mühlen durften auf einem Gebiet keine weiteren gebaut werden. Es herrschte Mahlzwang, da die Bauern ihre Mühle zugewiesen bekamen, in der sie ihr Getreide mahlen lassen mussten. Die Einhaltung des Mahlzwanges wurde durch die Kerbhölzer überwacht, das waren Holzscheite, die in der Mitte gespalten wurden. Davon bekam die eine Hälfte der Mahlgast, die andere der Müller. Brachte der Bauer sein Getreide zur Mühle, so wurde für jeden Scheffel über beide Hälften Kerben geschnitten. Die Redensart…. „etwas auf dem Kerbholz haben“, hat sich seit dem erhalten. Aus jedem Scheffel Getreide stand dem Mahlgast ein gehäufter Scheffel Mehl zu und  ein viertel Scheffel Kleie. Der Lohn des Müllers war die „Metze“, der sechzehnte Teil des Getreides. Von den Mühlen sagt man im Mittelalter: „Ist ein gar geruhiger und feiner nutz“. Der Mahlzwang wurde von den Bauern als hart empfunden, er wurde in Preußen erst 1810 aufgehoben. Karl Marx schreibt im „Kapital“ über die Wassermühlen: „Die ganze Entwicklungsgeschichte der Maschinerie lässt sich verfolgen an der Geschichte der Getreidemühlen“.

 

Bauer Müller Bäcker

von Peter Wagner Nürnberg 1500. In der Mitte eine Wassermühle mit Strauberrad

 

Im Mittelalter gehörten die Müller zu den „unehrlichen Berufen, wie Leineweber, Töpfer, Zöllner, Musikanten, Schäfer und Bader.          

Deren Kinder wurden nicht in andere Zünfte aufgenommen. Dies ist sowohl von der Lohnmüllerei, wo manche Metze zu viel abgemessen wurde, als auch vom Mahlzwang her zu verstehen. Da die Müller für die Einhaltung des Mahlzwanges verantwortlich waren und auch eigens Interesse daran hatten, waren sie bei den Bauern unbeliebt und wurden als heimliche Diebe angesehen. Die Stadtmüller organisierten sich später mit Bäckern, Zimmerleuten oder Maurern in einer Zunft und die seit dem 17. Jh. allmählich zu größerer Selbständigkeit und Wohlhabenheit gekommenen Landmüller gründeten Innungen, die jedoch im Gegensatz zu den etablierten Zünften in der Stadt keinerlei politischen Einfluss besaßen. 

Die Klostermühle Boitzenburg wurde erstmalig 1269 in der Gründungsurkunde des Zisterziensernonnenklosters Marienpforte bei Boitzenburg als bereits bestehende Einrichtung erwähnt. Das Eigentumsrecht des Klosters wird jedoch erst 1271 beurkundet. Es ist anzunehmen, dass das Kloster die Mühle bis zu seiner Auflösung (Säkularisation) als eigene Produktionsstätte betrieben hat. Das gesamte Kloster wurde 1539 von Hans v. Arnim gekauft und blieb bis zur Bodenreform 1945 Eigentum der Herrschaft Bouitzenburg. Etwa seit 1640 steht das Mühlengebäude in seiner heutigen Form.

 

historische KLostermühle Mühlengebäude  heute
Die Klostermühle im 17. Jh. Das Klostermühlengebäude heute

 

 

Wassermühlen in der Region um Strausberg

Wassermühlen gibt es in unserer Region nur noch wenige erhalten gebliebene. Sie befinden sich heute hauptsächlich an 3 Eiszeitrinnen mit ihren Rinnenseen und Fließgewässern. Die Gamengrund - Rinne speist das Fredersdorfer Mühlenfließ mit insgesamt 11 ehemaligen Mühlenstandorten. Die Strausberger Eiszeitrinne bildet die Grundlage für die Mühlen am Annafließ. Bis zu den Berliner Gewässern verläuft das Fließgewässer und war Standort für 10 Wassermühlen. Ebenfalls eine Eiszeitrinne speist  ab Ruhlsdorfer Luch das Lichtenower Mühlenfließ. An diesem Fließ gab es ehemals folgende 6 Wassermühlen:

 

Hohensteiner Mühle, Garziner Mühle, Garzauer Mühle,  Werdersche Mühle, Zinndorfer Mühle, Liebenberger/Kienbaum Mühle 

 

Die Wassermühlen in der Rehfelder Region existierten seit der Zeit der Zisterzienser, also seit ca. 1375.      

Dr. Rolf Barthel,  Akanthus Verein für Regionalgeschichte und Denkmalpfleg in Strausberg,  hat in seinem Heft 8 im Jahr 1999 die Strausberger Mühlengeschichte veröffentlicht. Die Broschüre wurde für diese virtuelle Veröffentlichung maßgeblich genutzt und ausgewertet. Die Karte über die Standorte der ehemaligen Wasser- und Windmühlen ist aus dieser Broschüre entnommen und bildet die Grundlage für die Untersuchungen und der Berichterstattung im Gemeindegebiet Rehfelde, sowie in der näheren Umgebung. Vielen Dank für die freundliche Unterstützung des Akanthus Verein.      

 

Ehemalige Wassermühlenstandorte um Strausberg:

 

Wassermühlenstandorte
Wassermühlenstandorte
Dr. Barthel Strausberg

 

 

Wassermühlen im Gemeindegebiet Rehfelde  und in der näheren Umgebung: 

 

Folgende ehemaligen Standorte von Wassermühlen in der Rehfelder Region werden genauer betrachtet: 

 

Werdersche Wassermühle (23)

Garzauer Wassermühle (22) (Wir arbeiten noch daran)

Hohensteiner Wassermühle (20) (Wir arbeiten noch daran)